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Zum internationalen Handels- und Wirtschaftsverkehr im Zeichen des
US-Trumpschen Paradigma "America first"/"Make America great again"

Meldungen von ZDF/ARD  v. 20.2.18:
Bundesfinanzminister und andere wettern anlässlich der US-Steuerreform (u.a. signifikante Senkung der Unternehmenssteuern;
Anm. d. Verf.) gegen damit entstehenden "unfairen Wettbewerb" , Begünstigung von Unternehmensverlagerungen nach USA.
Es lägen damit Verstöße gegen Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) und der OECD (abzielend auf Verhinderung von
Gewinnverlagerungen) vor.

EU droht USA mit Strafzöllen auf Whisky und Motorräder, sollten diese ihren Stahlmarkt "abschotten" durch Strafzölle.
Die Zeitung FAZ spricht von "Vergeltungsmaßnahmen", die innerhalb weniger Tage in Kraft gesetzt werden könnten.


Vor Trump gab es zwar auch schon Zollregimes zwischen den Weltwirtschaftszentren. Über das bis dato er-
reichte niedrige Niveau der Zölle sollte deren wirtschaftspolitische Hebelwirkung dahinter zurückgestellt wer-
den, dass der übernationale Vergleich der Kapitalproduktivitäten weitgehend über den ökonomischen Erfolg
der Kapitale und ihrer Nationen unter wechselseitiger Anerkennung ausgehandelter sonstiger Zugangsbedin-
gungen wie Produktnormen und -vorschriften (was, je nach dem wer sich in den Hinsichten wie durch-
setzt für die einen relative Wettbewerbsvorteile, für die anderen als Mittel des Gewinns zu kalkulierende,
zu managende Zusatzkosten bedeutet). Ausnahmen im Falle oder zur Abwendung schwerer wirt-
schaftlicher 'Verwerfungen' ließen zwar auch die bisherigen internationalen Handelsvereinbarungen zu, aber
in der Hauptsache ging es um das darin kodifizierte gemeinsame Interesse der Wirtschaftsnationen, mehr
oder sogar maßgeblich über die unternehmenseigenen 'Parameter' die Konkurrenz zu entscheiden, auf diese
Weise andere Nationen zum Mittel des eigenen nationalen Fortkommens zu machen.

In der wechselseitigen ökonomischen Benutzung der Nationen mit ihrer Produktion von Gewinnern und Verlie-
rern ist allemal der Übergang zur Kündigung enthalten: Und so halten es die USA unter Trump; konkurrenz-
lerische Rückschläge haben die zum Anlass genommen, den bisherigen Wirtschaftsverkehr über die Konzes-
sionierung an jeweils fremde Nationen auf den Index zu setzen und Zollschranken wie 'Steuerdumping' ge-
zielt zur Schädigung anderer Nationen einzusetzen, um den Geldreichtum einseitig bei sich zu akkumulieren.

Und da hat man ihn - den Handels-/Wirtschaftskrieg. Denn diese einsinnige 'Wirtschaftsförderung' lassen ande-
re, aktuell der Wirtschaftsblock EU, nicht auf sich sitzen. Sie sind sich sicher, Amerika nicht zur 'Besinnung'
in Sinne der guten alten Kooperationsreglements zu bekehren. Auch diesen freihändlerisch sich gebenden EUler
ist der Übergang zum Wirtschaftskrieg geläufig; die kongenialen Antworten auf dessen Einleitung durch die USA
werden natürlich als eigentlich nicht gewollte Reaktionen auf die neuen weltwirtschaftpolitischen Rücksichts-
losigkeiten der Amis gedeutet. Ihre Berufung auf die WTO- und OECD-Regularien ist ein Leichtes angesichts
dessen, wie gut die EU bislang damit gefahren ist. Als ob nicht auch ihr im Falle eines Falles substantieller Ge-
fährdung ihrer nationalökonomischen Interessen die "Abschottung" näher liegt als das Hochhalten der Frei-
handelsparolen!


Nachtrag 

Wie sich die EU gegen den US-Wirtschaftskrieg rüstet

ARD-Teletext  v. 22.4.18:
Angesichts der 'protektionistischen' US-Handelspolitik treibe die EU ihre Verhandlungen über Handelsabkommen
voran.
Die EU und Mexiko hätten sich auf neues Freihandelsabkommen geeinigt, das zollfreien Handel ermögliche.

Die EU wappnet sich also gegen die absehbaren und unabsehbaren ökonomischen Verluste durch die USA
first-Politik. Es sieht eher nach einer regelrechten Offensive aus, nicht nur per Sicherung exklusiver bzw.
exklusiv vergünstigter Marktzutrittsbedingungen bzgl. jeweiligen Freihandelsraum ihre Wirtschaftsmacht zu
stählen, sondern Freihandelsvereinbarungen zielen gegen andere Nationen/Wirtschaftsblöcke, diese von
den Freihandelsvorzügen auszuschließen, in dem sich die Geschäfte von Nicht-Freihandelsmitgliedern ent-
weder merklich verteuern oder gleich ganz scheitern, z.B. an sog. nicht-tarifären Handelshemmissen.

Zur Einordnung des jetzigen handels-/wirtschaftskriegerischen Übergangs zur Erinnerung:
Der bisherige, amerikanisch dominierte regelbasierte Weltmarkt zeichnete sich dadurch aus, dass auf der
Basis wechselseitig zugestandener bzw. erpresster Bedingungen die ökonomische Konkurrenz zwischen
den Nationalwirtschaften ablief. Wegen der Scheidung in Gewinner- und Verlierernationen kamen sie regel-
mäßig zur Verständigung darüber zusammen, ob und inwieweit Korrekturbedarfe an den Konkurrenzbedin-
gungen angemeldet und ggf. konzessioniert werden. Dies revidiert ein Trump nun dahingehend, dass Be-
reicherung pur nach Maßgabe der Durchsetzungsfähigkeit der jeweiligen Staatsgewalt sein soll - der 're-
gelbasierte' Weltmarkt war zwar bisher nicht weniger eine Frage des Gewalteinsatzes gegen die anderen
Beteiligten; dann sollte aber auf der Grundlage der gegenseitig akzeptierten Bedingungen kräftig zwischen
den nationalen Kapitalen ökonomisch konkurriert werden.
Die Ruinierung der bisherigen einvernehmlich geregelten Weisen des grenzüberschreitenden Handels- und
Wirtschaftsverkehrs weist Widersprüchliches im Ami-Programm 'America First' auf: es ist von Ami-Seite 
einerseits der Realismus, dass ihre immer noch konkurrenzlosen Gewaltmittel mit der adäquaten Erpressungs-
wucht derselben da schon einiges bewegen werden; d.h. die Kontrahenten lassen sich einige Übervorteilung
in Sachen Abgreifung heimischen Reichtums durch US-Kapitale einleuchten um der umgekehrten wirtschaft-
lichen Teilhabe willen.
Andererseits, und darin steckt was nationalökonomisch Idealistisches, werden die gegnerischen Gewalten
nicht einfach kraft der Unübersehbarkeit überlegener US-Gewaltmaschinerie sich alles gefallen lassen: dass
die anderen Staaten spiegelbildlich zu America first ihren ökonomischen Nutzen deswegen vollständig
hintanstellen, ward in der Geschichte der politischen Ökonomie noch nicht gesichtet.
Ihrem politökonomischen Idealismus wollen die USA darüber sich realistisch annähern, dass sie Aushandelung
neuer Deals in ihrem eigensinnigen Interesse möglichst auf Einzelstaaten eingrenzen, wo sie meinen ihre
Konkurrenzmacht mit der nötigen Wuchtigkeit in Anschlag bringen zu können im Unterschied zu Wirtschafts-
blöcken, die da einiges gegen die US-Dominanz in die Waagschale werfen können.

Schon jetzt sind die Nationen, die von USA traktiert werden mit der Hinnahme einseitigen Nutzens für die-
selben, tatkräftig unterwegs, mittels Aufrüstung ihrer Standorte oder bestehender Wirtschaftszusammen-
schlüsse, Neu-/Umorientierungen ihrer geschäftlichen Bestrebungen in Richtung alternativer Blockbildungen,
durch die vermehrte Besetzung der Märkte anderer Regionen sich schadlos zu halten von den nicht geringen
Verlusten, die die US-Politik unter Trump zeitigen dürfte.

Es sieht wie nach einer Ironie der jüngeren Geschichte aus, dass die EU/BRD nun gegen USA betreiben, was
erstere einst zusammen mit Amerika mit dem geplanten, heftig umstrittenen und längst aus dem Verkehr
gezogenen TTIP-Freihandelsabkommen*) u.a. gegen dritte Weltwirtschaftsmächte wie China vorhatten.

Freihandelsabkommen weisen etwas Widersprüchliches auf: die involvierten Wirtschaftsnationen suchen über
Erleichterungen des Marktzugangs ihr Wirtschaftspotential zu heben; es kommt allerdings sehr darauf an, wel-
che Seite dies zu ihrem Vorteil hinwenden kann: dabei spielt nämlich die bereits errungene ökonomische Leis-
tungsfähigkeit der jeweiligen nationalen Kapitale eine entscheidende Rolle. Wenn z.B. hinsichtlich der schon
erlangten Wirtschaftsmächtigkeit zwei sehr ungleiche Nationen wie BRD und Mexiko freihandelspartnerisch ins
Geschäft kommen, ist absehbar, welche der Kapitale der beiden das Niederreißen von Schranken im Wirtschafts-
verkehr sich zunutze macht auf Kosten der Kapitale der anderen Nation - mal abgesehen davon, dass es Nischen-
produkte geben kann, mit denen auch inferiore Nationen reüssieren können - oder mit solchen, wo die Geschäfts-
trächtigkeit weniger an akkumulierter Kapitalmacht hängt.

Was die beabsichtigten Außenwirkungen von Freihandelszonen oder jenseits davon, wie sich Nationalökonomien
abschirmen gegen das Abgreifen ihres Reichtums zu Lasten derselben, so ist diesbezüglich Unterschiedliches
zu gegenwärtigen, was den Umgang mit den aufgerichteten Erschwernissen beim Marktzugang betrifft.
So hat es z.B. China nicht vermocht, im Bereich Benzin- und Dieseltechnologie konkurrenzfähigen Zutritt zum
europäischen Automarkt zu erhalten; wettbewerbsfähige Schlitten im Hinblick auf einzuhaltende europ. technische
Normen, Leistungsparameter der Karren und Preis bzw. Kosten derselben haben die Chinesen nicht hinbekommen.
Andererseits haben die dt. Autobauer trotz der in China aufgetanenen Marktbeschränkungen bedeutenden Anteil
am chinesischen Markt ergattert; d.h. die angehäufte Vermögenskraft des dt. Autokapitals, der auch im Wege
überlegener innereuropäischer Geschäftemacherei zugearbeitet wurde, macht es möglich, sich die Schranken
fremder Märkte zum Mittel zu machen; d.h. trotz wer weiß welcher Ein-/Umstellungen auf die auswärtigen Gege-
benheiten wie technische Anforderungen/Normen, Zölle und damit u.U. anfallender Mehrkosten sichern sich
die hiesigen Autohersteller die Profitabilität ihres geschäftliches Engagement auf fremden chinesischen Markt.**)

Was umgekehrt die andere Antriebstechnologie im Falle E-Autos angeht, sollen die Chinesen da auf dem Vormarsch
sein, und die Deutschen/Europäer steigern ihren Eifer darin, in Sachen Batteriebetriebenes ihrer Unternehmerschaft
kräftig unter die Arme zu greifen, dass da bald neue ökonomisch schlagkräftige Gefährte rauskommen, die den
Weltmarkt als Made in Germany möglichst überschwemmen (es hakt ja noch an der Unhandlichkeit der Aufladerei
bei Autobatterien und vor allem außer an der Konkurrenzfähigkeit in Sachen Reichweite und Pferdestärken von E-
Mobilen im Vergleich zu Benzinern/Diesel auch an der Ausnutzbarkeit der zahlungsfähigen Kundschaft, sodass Kosten
und Preise für die Dinger noch in entsprechendes Verhältnis zu bringen sind).

_____________________________
*)
Der Streit war ein Ringen darum, wer wem welche Handels-, Wirtschafts-, Produktionsbedingungen zu jeweils
seinen Gunsten aufzudrücken in der Lage ist - seine Unerbittlichkeit kam daher, weil Tendenzen zur Monopolisierung
des Zugriffs auf den Markt der anderen durchgefochten wurden.
**)
Daneben  gibt es noch  best. Sonderfälle: gegen regelrechte Importverbote oder Verweigerung von Lizenzen/Patenten
hilft auch keine noch so gediegene kapitalistische Geschäftstüchtigkeit.
      

                                                   * * *
Zum zwiespältigen Charakter von D. Trumps Wirtschaftskrieg: einseitige Vorteils-
nahme soll sein - die Berechnungen heimischen US-Kapitals mit den wirtschafts-
kriegerisch induzierten Verteuerungen für es oder die Gegenwehr der anderen Weltmarktteilnehmer relativiert den amerikanischen, wirtschaftsnationalistisch
zuwege zubringenden Ertrag

Dazu 2 Beispiele Juni und Juli 2018

Meldungen v. 25.6.18
Als Reaktion auf US-Strafzölle auf amerikanische Motorräder will Harley Davidson einen Teil seiner Produktion
aus USA wegverlagern.

Das drohende Wegbrechen von Marktanteilen außerhalb der USA veranlasst ein US-Kapital, seine Geschäfts-
ausrichtungen umzudisponieren - was für dessen Heimatwirtschaft erst mal heißt, dass Reichtumspotenzen
abwandern, abgezogen werden, die Trump mit seinem Wirtschaftskrieg gerade begünstigen will.
Dessen Zölle auf Stahl und Aluminium waren gerade darauf angelegt, die auswärtige Stahlindustrie auf ameri-
kanischem Markt zu benachteiligen und die Geschäfte der US-Stahlwerke im Gegenzug zu fördern. Wenn
darauf die EU Gegenzölle auf Ami-Motorräder erhebt, sehen Firmen wie Harley D. ihre Marktanteile in Europa
wegen signifikanter Verteuerung dahinschmelzen. Zur Rettung dieser Marktanteile kommen sie auf die Kalku-
lation, ihre wie auch immer bedeutsamen Reichtumsschmieden für die USA zumindest z.T. aus den heimatlichen
Wirtschaftsgefilden abzuziehen.

ARD- und ZDF-Teletext v. 22.7.18
Als Folge von Sonderzöllen, die u.a. von Mexiko und China auf US-Fleisch erhoben wurden, würden die Fleischberge in US-
Kühlhäusern wachsen. - Die US-Fleischproduktion sei zunehmend abhängig von Exporten, die wegen Verteuerung durch die
Sonderzölle weniger absatzfähig sei.

Hier ist offenbar ebenso eine zu den Absichten des amerikanisch losgetretenen Wirtschaftskrieges gegenläufige
Folge des letzeren zu beobachten: einerseits soll durch US-Strafzölle anderen Nationen das Abgreifen von US-
Reichtum erschwert werden - andererseits schneiden die Gegenzölle die US-Produktion von auswärtigen Märk-
ten ab. Wie dann die Gegenrechnung von Wirtschaftsgewinnen einerseits und -verlusten andererseits sich
bilanziert, da mag der America-first-Durchfechter im Weißen Haus angesichts seiner überlegenen Gewaltpoten-
zen sich auf der sicheren Seite wähnen, aber letztlich ist da nichts eindeutig ausgemacht, denn Trump hat
mit der Kündigung der bisherigen Gepflogenheiten auf dem Weltmarkt, dem sog. Regelbasierten, jede berechenbare
Grundlage weggebrochen, auf der die Nationen und ihre Kapitale bislang gegeneinander konkurriert haben, auch
wenn die Ergebnisse dieser regelbasierten Konkurrenz alles andere als berechenbar waren.



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