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Anlaesslich des Lieferboykotts gegen VW - August/2016:




Der Kampf zwischen Zulieferern und einem Autokonzern um den
Profit - ausgetragen als innerstandortlicher Wirtschaftskrieg
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Man stelle sich vor: ein Boykott bringt es fertig, einen Grossteil der Produktion eines Welt-
konzerns lahmzulegen - kaum noch vorstellbar in dieser sozialpartnerschaftlich durchorga-
nisierten deutschen Marktwirtschaft.

Die Boykotteure waren aber gar keine veritablen Arbeiter, die VW in die Knie zwingen koenn-
ten, um ordentliche Einkommenszuwaechse zu erstreiten.

Ausgerechnet die klein- oder mittelunternehmerischen Klassenbrueder des Konzerns waehlten
sozusagen eine modern Form des Streiks, unter Geschaeftsleuten, um ihre geschaeftliche
Beute zu sichern. 

Hintergrund des Streits soll wohl sein, dass VW immer schon Kante z
eigt, um seinen Liefe-
ranten fuer den Konzern profitfoerderliche Preise abzujagen bei lt. Wirtschaftskennern
vergleichsweisen geringen Margen von 2 bis 3 Prozent bei den Zulieferern.

Was fuer die Lieferanten eine Komponente ihres Gewinnemachens ist, der Preis, den sie er-
zielen koennen, ist fuer den Hersteller Kostenbestandteil - und so kommt ein schoener Ge-
gensatz geschaeftlicher Art zustande.

VW soll wohl vorgehabt haben, irgendwelche Vertraege vorzeitig zu kuendigen oder zuge-
sagte Auftraege zurueckzuziehen, den Erpressungsdruck gegen die Lieferanten hoch-
zuschrauben, um deren Dienstbarkeit fuer
rentierliche oder rentierlichere Produktion bei VW
klarzustellen: normalerweise suchen die Abnehmer die gegebenen Kostpreise betriebswirt-
schaftlich so zu haendeln, dass sie gleichwohl Mittel des Gewinns sind.
Wie VW um jeden Cent feilsch, laesst einen Schluss darauf zu, wie der Automarkt in Hinblick
auf die engere Nachfrage und Konkurrenz durch andere Anbieter beharkt wird.

Den Zulieferern gingen daraufhin die Gaeule durch: neben dem ohnehin auf sie ausgeuebten
Preisdruck hatten sie den begruendeten Verdacht, dass VW die ausserordentlich anfallenden
Kosten durch den Abgasskandal noch extra auf sie abzuwaelzen suchte.

Der Widerspruch bei einer solchen aus kommerziellen Interessen angehenden "Konfliktstrate-
gie" ist normalerweise, dass die Lieferanten zwar mit dem Angewiesensein von VW auf Be-
lieferung mit Autoteilen auf die Nachgiebigkeit des Konzerns in der Preisfrage spekulieren,
aber eben unter Einkalkulation von Umsatzverlusten, wo fraglich ist, wie lange sie die
wegstecken
- sie koennen auch ganz schnell mit dem gaenzlichen Verlust der Auftraege ihr ge-
schaeftliches Aus ueberhaupt riskieren, wenn VW auf andere Lieferanten auszuweichen
in der Lage ist.

Zupass kam den beiden Lieferanten wohl, dass sie die einzigen der betreffenden Autoteile sein
sollen - und deswegen die Machtprobe wagten. Wenn es VW drauf ankommen ließe, "hungert"
das Unternehmen unter Inkaufnahme zeitweiliger Geschaeftseinbußen die Zulieferer in der
Weise aus, dass eher die nachgeben, wenn nicht so ohne Weiteres Ersatzlieferanten zur Hand
sind. Ein Weltunternehmen hat da ganz andere Moeglichkeiten, mit dem voruebergehenden
Umsatz- und Profitausfall seine Lieferanten auf Kurs zu bringen.

Schlussendlich haetten sie sich nach zaehen Verhandlungen geeinigt: worauf, wurde nicht
bekannt gegeben. Aber oeffentliche Stimmen wussten gleich, wer aus dem Gezerre als Sieger
und wer als Verlierer rausging, obwohl gar nichts durchsickerte, wer auf wen in welcher
Weise zugegangen ist.

Der niedersaechsische Landeschef W. zeigte sich gemeinwohlorientiert besorgt ob dieses
"einzigartigen Vorgangs" - statt wie es sich gehoeren wuerde, rechtsstaatsfriedlich die Gerichte
anzurufen.
Er hatte sogar was fuer die lieben Mitarbeiter uebrig, auf deren Schultern der Konflikt ausge-
tragen worden waere: als ob nicht bei laufender, flutschender Profitproduktion bei Herstellern
wie Lieferanten allerlei auf Kosten der Arbeiter ausgetragen wird, entdeckt der Mann an-
laesslich der drohenden Entlassung oder Verdonnerung zu Kurzarbeit in Bezug auf an die
30.0000 VW-Beschaeftigte sein Herz fuer die Ausgebeuteten. - Dies steht deswegen auch
bloss dafuer, dass die als Berufungstitel dienen, wie sich der Landesvater die Absolvierung
von geschaeftlichen Konkurrenzaffaeren in zivilisierterer Machart vorstellt und sowieso
die reibungslose Reichtumserwirtschaftung fuer die nationale Provinz Niedersachen und die
Nation als Ganze an erster Stelle steht.

Kritik gab es auch daran, wie VW Kurzarbeiterregelungen des Staats zweckwidrig auszu-
nutzen versuchte: schliesslich lag hier keine geschaeftliche Not im eigentlichen Sinne vor,
die Kurzarbeitergeld rechtfertigen wuerde, sondern ein ohne Not herbeigefuehrter kommer-
zieller Einbruch mit dem Ziel, andere Unternehmen zum Einlenken im Renditeinteresse von
VW zu bewegen.
Autoexperten faellt angesichts der knallharten Konkurrenz der Geschaeftemacher ein, sich
doch zu besinnen auf eine "Kultur der Zusammenarbeit" - als ob nicht die kommerziellen
Interessengegensaetze davon kuenden, dass Zusammenwirken von Lieferanten und
Hersteller wie VW gar nicht anders denn als einziges Hauen und Stechen zu haben ist.


Nachtrag
Lt. 10-Uhr-Nachrichten von Radio Bremen am 24.8.16 soll wohl doch einiges trotz verein-
bartem Stillschweigen von den Verhandlungen ans Tageslicht gekommen sein: u.a., dass
die derzeitigen Lieferanten aus der sog. Preventgruppe zeitlich beschraenkt mit Auftraegen
rechnen koennten und VW mit Anteil von 20 Proz
ent in Sachen Auslagerung von Teilepro-
duktion auf andere Lieferanten ausweichen will: letzteres entspricht der Logik geschaeft-
licher Souveraenitaet von VW gegen seine Lieferanten, es eben unter allen Umstaenden
in der Hand zu haben, dass letztere der Rendite von VW zuzuarbeiten haben.




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