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Anlaesslich der Aufregungen ueber die Erfolge Chinas auf dem Stahlmarkt
- Maerz/2016:




„Ungerechter Handel“ und „unfairer Wettbewerb“ ist, wenn
statt Deutschland/
Europa das „Reich der Mitte“ die Erfolge
auf dem globalen Stahlmarkt einfaehrt

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China ist ins Visier geraten wegen angeblich „unfairer Handelspraktiken“, die sich
zusammenfassen wuerden in „verzerrenden staatlichen Subventionen/Beihilfen“ und
„Dumping-Preisen“.

Zunaechst einmal sind Preisunterbietungen ueberall in der globalen Markwirtschaft ein
gaengiges Mittel, also auch seitens der weltweit agierenden deutschen und europae-
ischen Unternehmen, um „Mitwettbewerbern“ Marktanteile abzujagen oder diese sogar
aus dem Feld zu schlagen, aus dem Markt zu verdrängen, um selber die Zahlungs-
kraft der Kundschaft abzuschoepfen.

Dass China mit seinen preispolitischen Offensiven auf dem internationalen Stahlmarkt
Furore macht, heisst auf der anderen Seite, dass es etliche deutsche/europaeische
Abnehmer gibt, die die offerierten Preisvorteile fuer ihre Kalkulation mit Kostpreis und
Profit gerne nutzen und ausnutzen. Eine Kritik an deren wirtschaftlichen Vorteilsrech-
nungen ward nicht vernommen.

Die ganze Aufregung gegen den „unfairen Billiganbieter“ aus Fernost laeuft drauf
hinaus, Beschwerde einzulegen dagegen, dass dieser neue weltmarktmaechtige Konkur-
rent das Stahlgeschaeft an sich ziehen wuerde, statt dass Deutschland und Europa es
machen wuerden (gegen wenn denn wohl? Dass im letzteren Fall der wirtschaftliche
Gegner dahinten das Nachsehen haette statt Deutschland/Europa, soll wohl in Ordnung
gehen?!).

Dass bei dem ganzen wirtschaftspolitischen Gehetze gegen das „Reich der Mitte“
schlicht der marktwirtschaftliche Egoismus deutschen/europaeischen Kapitals am
Werk ist, der gegen die Chinesen nicht so erfolgsgewohnt, wie es sich fuer einen
„Exportweltmeister“ geziemt, z.Zt. im Bereich Stahl zum Zuge kommt, wird darueber ver-
braemt, dass allerlei hoehere oekonomische Titel wie „gerechter Handel“ und
„fairer Wettbewerb“ bemueht werden -  das Bild einer ausgleichenden wirtschaft-
lichen Nutzenverteilung auf dem Weltmarkt, das dem Hauen und Stechen der
Weltmarktbeteiligten um ihres Erfolgs willen gegen andere nichts als Hohn spricht.

Die vierte oder fuenfte Widerwaertigkeit der Geschosse gegen China erhellt daraus,
dass kaum mokieren sich die westlichen Marktwirtschaftsexperten ueber die
Instrumente, die angeblich oder wirklich der chinesische Staat zur Befeuerung
der Offensive seiner Stahlunternehmen in Anschlag bringen wuerde („Subventionen,
Beihilfen), faellt ihnen kongenial dazu ein, entsprechend „zurrueckzuschiessen“
und mit der Wucht staatlicher Machtmittel des Westens den Chinesen den Garaus
zu machen: Strafzoelle und Verweigerung des „Marktwirtschaftsstatus“ fuer China
werden eingesetzt, um wieder Boden gutzumachen in Sachen Stahlgeschaeft gegen
die „gelbe Gefahr“ aus dem Osten.

So parteilich-dumm und zugleich gemein ticken hier mal wieder die Freunde
demokratischer Marktwirtschaft, die sich deren unbedingte Durchsetzung zum
Anliegen machen.


Quellen:
https://www.bayernkurier.de/wirtschaft/10726-deutsche-stahlindustrie-vor-schicksalsjahr
https://www.bayernkurier.de/wirtschaft/3376-kampf-dem-unfairen-stahlhandel



Nachtrag
Es gibt durchaus kritische Stimmen, sogar aus dem Lager renommierter Wirtschafts-
professoren, z.B. Prof. Flassbeck:
www.flassbeck-economics.de mit dem Artikel
"Freihandel über alles, aber kein Dumping-Stahl aus China"
auf selbiger Site.
Mit Saetzen wie
"So ist das mit dem Freihandel, er ist nur gut, wenn er fuer einen selbst gut ist..."
"...Wenn es ueberlegene Wettbewerber gibt, wer wuesste das besser als der deutsche Exportueber-
schussweltmeister, muss selbstverstaendlich der Unterlegene untergehen, das ist das Gesetz
des Marktes."

- wird ironisch aufgespiesst die interessierte Sichtweise der Nationen, die lauthals
dann fuer Freihandel plaedieren, wenn dieser ihren Oekonomien die Ertraege ver-
schaffen, die im Gegenzug anderen abgehen - umgekehrt ueber verzerrendem Welt-
handel klagen, wenn zu ihren Lasten andere die Erfolge fuer sich verbuchen.

Nur ist Skepsis angebracht, dieser dt.  Nationalwirtschaftler meine dies als Kritik
an dem fertigen kapitalistischen Weltmarkt, den dort waltenden gegensaetzlichen
Bereicherungsinteressen, an den Staaten mit ihren Gewalt-/Erpressungshebeln
als Wegbereiter und Durchsetzer der globalen Kapitalvermehrungsambitionen ih-
rer Unternehmerklasse.

Denn zugleich reibt er den Deutschen hin, dass es ein Eigentor werde, sich selbst
wirtschaftlich, sogar am meisten, schaden wuerden, wenn sie sich auf Wirtschafts-
krieg einlassen wuerden:
"...Wer Handelskrieg haben will, kann ihn sicher bekommen, sicher ist aber auch, dass der
Exportueberschussweltmeister (den uebrigens der Automobil-Export nach China im Jahre 2010
aus einer großen Krise gerettet hat) dabei am meisten verliert."

Der Satz in Klammern soll der dezente Hinweis sein: China habe doch der dt.
Autoindustrie zu rasanten Betriebsergebnissen verholfen; da sollen sich die Deut-
schen mal nicht so anstellen, wenn China auf dem Stahlmarkt reuessiert.

Ueberhaupt draengt sich der Verdacht auf, dass hier nicht einfach Pate steht,
sich einen (unvoreingenommenen) Begriff vom wirtschaftsimperialistischen Gehalt
des weltweiten kapitalistischen Geschacheres zu machen, also in Grund und Bo-
den zu kritisieren, sondern es wird der Standpunkt einer nationaloekonomischen
Umsorgung des globalen Handelsgetriebes lanciert, wonach der Weltmarkt ziemlich
eumphemistisch als Einrichtung begutachtet wird, die doch allen Beteiligten ir-
gendwie zu Nutzen gereichen muesste:
"...Sie begreifen nur nicht, dass sie damit auch die letzten Chancen, die Globalisierung
für die Mehrzahl der Laender ertraeglich zu machen, zerschlagen. Wo ist der viel
beschworene deutsche Ordnungsrahmen, an den sich doch alle halten muessen,
damit die Marktwirtschaft funktioniert? Ist das auch alles nur hohles Geschwaetz?"

Eben war noch die Rede davon, wie die Marktwirtschaft realiter funktioniert,
wo die Staaten kaempferisch gegeneinander antreten, fuer ihre Wirtschaften
zu Lasten der anderen den geschaeftlichen Reibach machen zu suchen; jetzt
ist von einem, sogar dt. Ordnungsrahmen die Rede, mit dem das kapitalistische
Bereicherungswesen zu irgendwie geartetem "ertraeglichen" Funktionieren erst
gebracht werden muesse. Und dann eben auch noch die Deutschen als Ober-(an-)
ordner eines "Rahmens", bei dem diese hinsichtlich ihres nationalwirtschaft-
lichen Egoismus garantiert nichts anbrennen lassen?
Einiges passt da offensichtlich nicht zusammen in Ihrem Theoriegebaeude, Herr
Professor!


                                                   * * *

Zu den Arbeiterprotesten in der Stahlindustrie, 11.04.2016:

Wenn Arbeiter  sich mit Ihrer Firma gemein und Stoeren-
friede (wie China, EU-Umweltauflagen) fuer das ungehin-
derte Geschaeft des heimischen (Stahl-) Kapitals ausfin-
dig machen und dagegen den eigenen Staat mobilisieren
wollen, dann ist dies nicht nur Parteinahme fuer die 
Nutzniesser ihrer Lohnarbeit,die,ob Dumping oder nicht,
bestaendig mit dieser als niedrig zu haltender Kost kalku-
lieren , also ob Dumping oder nicht Lohnsenkungen,
Leistungssteigerungen und Entlassungen verfuegen,
weshalb diese und nur diese als eigentliche Schaediger
des materiellen Interesses von Arbeitern anzugehen wae-
ren;  wie sich (Stahl-)Arbeiter  als selbstbewusste
Manoevriermasse des Heimatkapitals hergeben, so
ist dies der Gipfel des Antimaterialismus, nationalis-
tischen Protest gegen andere Staaten (wie China)
anzumelden.


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