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N. Trenkle u.a. / Die grosse Entwertung / Unrast-Verlag 2012
Rezension

Trenkle, Krisis & Co. walzen von einer Veroeffentlichung zur naechsten den gleichen Fehler aus:
das Vorurteil einer angeblich finalen Krise des Kapitalismus, eine behauptete Selbstaufhebungs-
tendenz beim Kapital weltweit. Eine Verlaufsform der Kapitalakkumulation, eben der zeitweilige 
flaechendeckende oder sogar globale Einbruch des Gewinnemachens, wird hochstilisiert zu
einem heraufziehenden Systemcrash; genauer gesagt wird die Überakkumulation als Tendenz
zum System-Crash gedeutet, weil sachlich liegt hier Verschiedenenes vor:bei der gewoehn-
lichen Krise handelt es sich um eine Anhaeufung von Ertragsanspruechen, die flaechendeckend
ihrer Einloesung harren; bei der Systemkrise `a la T./L. soll es um das Vermoegen des
Kapitals zur Wertschaffung ueberhaupt gehen, das dem sukzessive abginge.

Es ist ein grober Unfug, die Existenz des Finanzkapitals verdanke sich dem Umstand, dass im
Bereich "Realkapital" die Basis für Verwertung abhanden gekommen sei.

Erstens ruehren die Anlageentscheidungen der Vertreter des großen Geldes schlicht daher, dass
sie ihre Bereicherungsmoeglichkeiten nach einem stinknormalen kapitalistischen Vergleich
ausrichten, wo relativ mehr Ueberschuss auf ihr eingesetztes Vermoegen winkt - dies ist keine
Kalkulation aus einer Not/Verlegenheit heraus, dass woanders nicht(s) mehr zu holen waere.

Zweitens wird das Verhaeltnis von Industrie- zu Kreditkapital falsch bestimmt: das ist gar nicht
der Witz an diesem, dass auf die Finanzkapitalsphaere ausgewichen wuerde wegen gegen Null
gehender Ertragspotentiale beim "reellen" Kapital. Das Finanzkapital ist mit seinen Kreditmassen
Richtung Industrielle erst einmal ein entscheidender Hebel der Akkumulation: es wird sich mit
Kredit von den momentanen Kapitalrueckfluessen samt Gewinn unabhaengig gemacht; die
Kreditmassen erlauben so ein produktivitaetssteigerndes Wirtschaften als Waffe in der Konkurrenz.

Es mag finanzwirtschaftliche Besonderheiten in der Kreditsphaere geben, die hier nicht eigens zum
Thema gemacht werden, weil es um das Aufzeigen des Grundfehlers der Krisisleute geht. Nur eine
Andeutung: im Begriff des Kredits ist enthalten, dass der Geldverleiher unabhaengig von der tatsaech-
lichen Erwirtschaftung des Leihers einen Ertrags-/Zinsanspruch geltend macht, also einen Vorgriff auf
einen Reichtum, der noch gar nicht vorhanden oder produziert ist; daraus kommt die kapitallogische
Verlaengerung, dass sich Finanzkapitalisten in einer eigenen Sphaere zu schaffen machen, in der
Geld aus sich heraus vermehrbar sei (das sind sie dann die "abenteuerlichen" Finanzprodukte, das
Verbriefungswesen, wo Schuldverhaeltnisse zum Gegenstand weiterfuehrender, darauf aufsetzender
darauf auftuermender Finanzmarktgeschaefte/-Kreationen gemacht werden).
Auch hier nichts von Kapitalnoeten zu spueren, sondern obiges zeigt, wie das Masslose am kapitalisti-
schen Bereicherungswesen, alles und jedes zum Gegenstand eines Geschaefts zu machen und
keine Grenzen bei der Geldvermehrung kennen zu wollen, auf die Spitze getrieben wird.

Und das, was da als "grosse Entwertung" stattfindet, offenbart eine abstrakte Identitaet mit jeder Art von
Kapital - und kein naeher oder weiter heraufziehendes Endstadium: es sind Massen von Verwertungs-
ansprueche auf das in die Welt gesetzte Kapitalvermoegen aufgehaeuft worden, was auch einschliesst
im großen Stile mit "gewagten" Finanzproduktkreationen eigens in der Finanzwelt herbeispekuliert
worden, in einer Weise, dass diese sich an irgendeinem Punkt nicht mehr als einloesbar erweisen.

Dann steht bei Finanz- wie "Real"-Kapital die umfassende Herunterstutzung der Ertragsversprechen
und der als ertragsfaehig behaupteten Anlagen durch weitreichende Abschreibung derselben an.

Dann steht aber immer noch nicht die "finale" Krise vor der Haustuer:dann wird eine neue Ausgangsbasis
gelegt für das fortgesetzte Verwertungsprocedere bei Finanz- und "reellem" Kapital,
auf dass der Zirkel von Aufschwung-Krise-Aufschwung-Krise wieder in Gang kommen kann.

Das mit der tendenziellen Selbstaufhebung des Kapitals ist selbst ein grandioser Fehler:
dass naemlich Industriekapitalisten per Arbeiterentlassungen und Wertsenkung der Waren
im Zuge der Einfuehrung modernerer, produktivsteigernder Anlagen sich ihrer Wertquelle 
berauben wuerden.
Nur wer Einsparung von Arbeitskraft als KOST für den Gewinn des Kapitals mit Ersparnis von Arbeit
UEBERHAUPT verwechselt, kommt auf die Absurditaet einer quasi systemsprengenden
„Wertabschmelzung“, mit der das Kapital sich selbst das Grab schaubele. - Dass das Kapital an
seinem eigenen Verwertungszweck scheitere, ist eine grandiose Verharmlosung dessen, wie es durch
alle Krisen hindurch seinen Verwertungsdrang mit Rueckendeckung allerlei staatlicher Gewalttaetigkeit
auf Kosten von Lohnabhaengigen, naemlich als Angriff auf deren materielle Interessen und koerperliche
wie geistige Unversehrheit systematisch und global durchexerziert.


Dies war eine Nachzeichnung  der generellen Fehlerhaftigkeit Krisis'scher Zusammensbruchstheorie.
Das Hauptaugenmerk des Buches soll nach dem Selbstverstaendnis der Verfasser aber auf das Fi-
nanzkapital und dessen Krisenhaftigkeit gelenkt werden. Und hier ist schon formell bemerkenswert:
1/3 des Buches befasst sich mit dem x-ten verkehrten Aufwasch der einfachen Warennanalyse:
naemlich in einer soziologischen Verfremdung von Ware, Wert und Geld, dem an dieser Stelle
nicht weiter nachgegangen werden kann. Nur dieses: die beinharte Gegensaetzlichkeit von Wert
und Befuerfnis verkommt zu einem "Umweg" der "Vermittlung gesellschaftlicher Beziehungen."
Abstrakte Arbeit als "inhaltsleere" Arbeit bemisst kap. Warenherstellung an einem ihr aeusserlichen
Zweck; Warenproduktion erscheint als Verstoss gegen einen eigentlich besseren Sinn gesell-
schaftlichen Zusammenwirkens.
Und hier setzt  ihr zentraler Fehler an, an dem sie alles und jedes am Kapitalismus darauf-
hin begutachten, durchleuchten, ob und in welcher Form es aufscheint: sie haben es schwer mit
einer angeblichen Abschmelzung der Basis der Wertproduktion. Hier bringen sie durcheinander,
wie Produkivitaet mit der Wirkung reichhaltigeren Warenausstosses bei geg. Arbeitsaufwand sich
wertsenkend bei der einzelnen Ware bemerkbar macht ( eine Widerspruechlichkeit an der Waren-
produktion, die sich alle Kommandeure derselben gegeneinander zunutze machen, naemlich als
Konkurrenzmittel des wechselseitigen Streitigmachens von Marktanteilen ) - und andererseits,
wie Einsparung von bezahlter Arbeitskraft als Mittel der Kapitalkostensenkung eingesetzt wird,
welche Trenkle u. Co.  als systemische Zuspitzung uebertreiben, mit dem Wegfall einzelner
Traeger von Arbeitsvermoegen ginge die gesellschaftliche Wertmasse kaputt nach dem falschen
oekonomischen Motto: je mehr Arbeitende an der Werkbank stuenden, fuer desto mehr Wert 
verbuergten sie - als ob es nicht auf rentierlichen Arbeitskrafteinsatz ankommt, wo also mit dem
Abbau von Lohnkosten und der extensiveren und intensiveren Arbeitskraftausnutzung*) der Rest-
belegschaft dem Kapital an dem vergroesserten Ueberschuss ueber das verauslagte Kapital
gelegen ist.
*)
Fuer das Fluessigmachen von Mehrarbeit sind auch die Formen der absoluten Arbeitszeitaus-
dehnung der verbleibend Arbeitenden und Intensivierung der Arbeitskraftverausgabung pro Zeit-
einheit
das probate Mittel. Aber da wuerde ihnen wieder einfallen: kompensieren koenne letzteres 
auf laengere Sicht nicht das Arbeitsvermoegen nach Masse ihrer Inhaber. Dies verdankt sich

einer interessierten und damit verharmlosenden Sicht auf den Kapitalismus: nicht wie das welt-
weit implementierte Verwertungssystem funktioniert, sondern die Verwertungsfaehigkeit des
globalen Kapitals ist hier Thema - und dies auch noch voellig verkehrt: tendenzieller Wertsenkung
als Effekt des kap. Produktivitaetsfortschritts wird eine spekulative Tendenz der Untergrabung
der Wertquelle abgelauscht.
                                                                 * * *
Ein weiteres Drittel  des Durchgehens eigenwillig titulierter Phasen des Kapitalismus incl. seiner
"Strukturkrisen" wird dem immer gleichen Dogma unterworfen: wie schafft er es, seinem Selbst-
begraebnis noch zu entgehen, es hinauszuschieben ("Krisenaufschub"), oder wie weit reicht er mit
seinen Entwicklungsstadien schon am Endstadium, dem endgueltigen Untergang, schon heran.

Entlang der Ausdifferenzierung von finanzkapitalistischen Etappen wollen T./L. Eigentumstitel
mit ''Deckung" durchs fungierende Kapital wie Aktien (festgemacht daran, dass das hereinge-
wirtschaftete Geld der AG fuer Neuanlage in Produktionsstaetten und dergl. diene) und solche
ohne Deckung entdeckt haben wie Konsumenten- und Staatskredit (S. 235) - Gleichzeitig reden
sie davon: "In letzter Instanz bezieht sich jeder Eigentumstitel auf irgendeinen in der realwirtschaft-
lichen Zukunft gelegenen Referenzpunkt (kein Staatspapier ohne Staatsausgaben, keine Aktie
ohne tatsaechliches Unternehmen, kein Future ohne Rohstoff...) (S.231). Das Verhaeltnis von
Deckung und Referenzpkt. sei: "... solange (bezogen auf den einzelnen Finanzinvestor) die Ren-
dite stimmt, muss es ihn nicht weiter interessieren, was der Eigentumstitelverkaeufer mit dem er-
worbenen Geldkapital treibt... Fuer.. weitere(n)... Akkumulationsprozess ist der Inhalt der Refe-
renzaktivitaet.. von entscheidender Bedeutung...  existieren 2 Grundtypen von fiktivem Kapital...
Gedecktes f. Kap. bildet sich dann, wenn Ansprueche an die Zukunft sich auf tatsaechliche
Wertproduktion beziehen",z.B. Aktien ausgegeben werden, um neue Produktionsstaetten und
zusaetzliche Arbeitskraefte zu 'induzieren'; ungedecktes fiktives Kapital beziehe sich auf real-
wirtschaftl. Referenzaktivitaeten, die selbst keinen Wert produzieren, sondern Wertvernichtung
darstellten(Konsum-/Staatskredit). - Ungedecktes f. Kap. durch Konsum(-kredite), aber auch
durch Investitionen von fungierenden Kapitalisten ohne Wertproduktion (bebildert an "Verwissen-
schaftlichung" der Produktion im Gefolge der 3. industr. Revolution statt Arbeitskraftvernutzung
gegenueber fordistischer Phase) waeren "rapide angeschwollen"(S. 283,241).
Letzteres laeuft auf andere Aufteilung unter dem gleichen Gesichtspunkt wie oben bei ihren
industriellen Phasen hinaus: dem Auseinanderfallen von Bereicherungsanspruechen und ihrer
Basis in der "reellen Wertproduktion".

Erst das letzte Drittel dringt dazu vor, wenn auch schon zwischendurch mal angedeutet, wie das
Finanzkapital bei der kapitalistischen Krise seit 2008 vorkommt.
These: Trenkle/L. subsumieren die Besonderheiten beim Finanzkapital ebenso unter ihr Vorurteil
eines Systemszusammenbruchs. 
Zum einen definieren sie das Finanzkapital als Auseinanderfallen von Verwertung und Kapitalsierung
oder Vorkapitalisierung, insofern es ein Vorgriff auf erst kuenftig zu schaffenden Wert sei. Als sol-
ches sei es einerseits die Antwort auf angeblich fehlende Verwertungsmoeglichkeiten beim fun-
gierenden Kapital. Hier leisten sie sich den logischen Schnitzer, insofern es als ersatzweise Vor-
nahme von Akkumulation hingestellt wird, dessen Bestand einzig daran hinge, dass unaufhoerlich
mehr sog. Eigentumstitel in die Welt gesetzt wuerden als durch "Blasen" untergingen - dann aber
schert es sich um irgendwelche "Bezugspunkte" zur "sich selbsttragenden Wertproduktion" des
Produktionskapitals gerade nicht, sondern hat ihren Vermehrungsmaßstab einzig in sich, in der
Selbstbeglaubigung der Vermehrungsfaehigkeit des Finanzkapitals.
Zugleich wird aber per definionem - Finanzkapital als Vorgriff auf kuenftigen Wert - die Unaufloeslich-
keit von Finanzkapital mit einer behaupteten Entsprechung in der Realwirtschaft festgehalten;
das Finanzkapital habe sich in letzter Instanz mit seinen Vorgriffen an den tatsaechlich geschaffe-
nen Werten in der Realoekonomie zu bewaehren. Insofern mit der "Abschmelzung" der Wertquelle
bei den reellen Kapitalisten Vorgriff auf Werte und deren Einloesbarkeit immer weiter auseinan-
derdriften wuerden, gerate das Finanzkapital letztlich mit in den Sog der systemsprengenden
Krise der Industriellen bzw. verschaerfe diese sogar. Und damit haette man den Ruin des kap.
Gesamtsystems komplett vor Augen.
Man sieht also: T., L. und Co. drehen jedes Stueck Kapitalismus so hin, dass es in ihr Vorurteil der
Selbstabdankung der Bourgeoisie hineinpasst.






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