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Eine Abrechnung -Teil 1- mit:

"Kritik der Warengesellschaft

Ernst Lohoff

Auf Selbstzerstörung programmiert

Über den inneren Zusammenhang von Wertformkritik und Krisentheorie in der

Marx´schen Kritik der Politischen Ökonomie

Beitrag 2 / 2013

www.krisis.org"

(alle Zitate daraus)

Krisis & Co. nerven ständig damit, dass sie Widersprüche der
kap. Produktionsweise nicht einfach als solche festhalten, eben
als Gegensätze, Unverträglichkeiten von ökonomischen Be-
stimmungen, sondern diese immer gleich aufbauschen in eine
historische Tendenz des Zusammenbruchs des ganzen kap.
Systems. Um dies hinzukriegen, vergewaltigen sie theoretisch
nicht nur die Realität, sondern in ihrer Berufung auf Marx deuten
sie dessen Aussagen verfälschend so um, dass sie immer erneut
ihr Vorurteil, ihr Hirngespinst einer "historischen Schranke" des
Kapitals", einer alsbaldigen endgültigen Endladung seiner inneren
Widersprüche i.S. seiner Selbstaufhebung bestätigt kriegen.
Es das vollständige Desinteresse daran, wie das Ka-
pital mit der weltweiten Implementierung der Vermehrung abstakten
Reichtums als ökonomische Gewalt unter staatlicher Schützen-
hilfe sich alles menschliche und sachliche Inventar seinem Selbst-
vermehrungszweck untertan macht. Es ist zynischer Ausfluss
einer erhabenen Geschichtsprophetie, die die Ausmalung der Selbst-
schädigung des Kapitals wichtiger befindet als den von ihm ins
Werk gesetzten systematischen Schaden für die abhängige
Mensch-
heit.

"Die Krisen spielen vielmehr aus theorieimmanenten Gründen
eine Schlüsselrolle in seinem Werk"

Wer die Krise zur Hauptsache der Pol. Ökonomie erklärt, der ist
nicht nur elitärer Ignorant dessen, wie zwischen den Krisen zur
Selbstverwertung des Kapitals Leistungsausspressug, Verarmung
und Verelendung des "Fußvolks" desselben in einer Weise hinorgani-
siert werden, dass mal wieder ein Punkt erreicht ist, wo Kapital in
einer Weise angehäuft wurde, dass es dessen Vermehrungsansprüchen
nicht mehr genügt. Dem ist genauso völlig gleichgültig, wie die ab-
hängige Menschheit Krise und Krisenabwicklung mit verschärfter
Armut und Elend auszubaden hat:

".....sie (die Krisen)unterliegen darüber hinaus einer eindeutigen
Entwicklungstendenz. Mit dem Fortgang der kapitalistischen Entwicklung
müssen die Krisen an Tiefgang und letztlich auch an Heftigkeit gewinnen".

Von der Ausmalung des Krisenszenarios in größtmöglichen Steigerungsformen
ist der Krisentheoretiker angetan.

Wenn Marx zitiert wird:

"Das Kapital ist selbst prozessierender Widerspruch dadurch, dass es die Arbeitszeit
auf ein Minimum zu reduzieren strebt, während es andrerseits die Arbeitszeit als
einziges Maß und Quelle des Reichtums setzt" (MEW 42, S.601).

- dann wird hier nicht einfach festgehalten, wie der Zweck des Kapitals und die
dafür eingesetzten Mittel sich gegensätzlich zueinander verhalten - und wie das
Kapital im Sinne seines Verwertungsinteresses damit umgeht: nämlich
Produktivkraftsteigerung für die Wertsenkung pro Ware einsetzt, um gegen die
Konkurrenz insgesamt mehr Wert an sich zu ziehen, sondern L. trägt dick auf,
und liest daraus gleich eine Systemkrise, die nur seiner Einbildung entspringen
kann:

"Die vom Kapital ins Werk gesetzte Produktivkraftentwicklung wird
demnach früher oder später mit der bornierten kapitalistischen Reichtumsform
unvereinbar. Die Produktion kommt entweder in immer gewaltigeren Krisen
zum Erliegen oder
...."

Und die Zurechtbiegung der kap. Realität i.S. Lohoffschem Endzeitgemälde treibt
noch weitere Blüten:

"Die auf dem Tauschwert ruhnde Produktion" stößt in dem Maß auf eine
unüberwindliche, absolute Schranke und"bricht zusammen"(MEW 42, S.601),
wie die Wissenschaft und ihre Anwendung die unmittelbare Produktionsarbeit
als wichtigste Produktivkraft ablöst. Marx greift nicht von ungefähr zu einer
derart drastischen Vokabel wie Zusammenbruch: Denn wenn "der Arbeiter" auf
einer bestimmten Stufe der Produktivkraftentwicklung auf breiter Front "neben
den Produktionsprozeß (tritt), statt sein Hauptagent zu sein" (MEW 42, S. 601),
heißt das nichts anderes, als dass die Quelle der Wertproduktion ein für
allemal im Versiegen begriffen ist.

Egal, ob das Marx-Zitat stimmt oder nicht,oder was Marx wirklich damit gemeint
hat, die Idiotie eines Lohoffs ist mit Händen zu greifen: die unmittelbare Produktions-
arbeit würde durch Wissenschaft und ihre Anwendung abgelöst. Wissenschaft und
Technik sind gerade die Art und Weise, wie Produktivität in der Hand des
Kapitals und damit als feindliche Macht gegen die Arbeiter so eingesetzt wird,um
die Ausbeutung zu effektivieren: es ist absoluter Schwachsinn, sie träten zumal unter
kapitalistischen Bedingungen neben die Arbeit und anstelle derselben, und
in Lohoffscher Übertreibungsmanier die Wertproduktion damit zum Erliegen bringen.

Gekrönt wird diese Vorgehensweise mit einem absichtlichen Missverständnis
Marxscher Ausführungen. Aus dem Marx-Zitat:

"Der Widerspruch dieser kapitalistischen Produktionsweise
besteht aber gerade in ihrer Tendenz zur absoluten Entwicklung der Produktivkräfte,
die beständig in Konflikt gerät mit den spezifischen Produktionsbedingungen,
worin sich das Kapital bewegt und allein bewegen kann" (MEW 25,S. 268)

macht L. folgendes interpretatorisches Kunstwerk:

"Es ist ganz allgemein der Konflikt zwischen der Produktivkraftentwicklung und dem
bornierten Zweck der Vermehrung abstrakten Reichtums, der die kapitalistische
Produktionsweise auf Dauer unhaltbar macht."

Das angeblich Unhaltbare erschließt sich für L. unter Weglassung all dessen, welche Formen
der Ausprägung des Widerspruchs der kap. Produktionsweise Marx anschließend darlegt und
wie dieser kapitalismusimmanent einer "Lösung" zugeführt wird,z.B. dieses:


"Aber es werden periodisch zuviel Arbeitsmittel und Lebensmittel produziert, um sie als Ex-
ploitationsmittel der Arbeiter zu einer gewissen Rate des Profits fungieren zu lassen. Es werden
zuviel Waren produziert, um den in ihnen enthaltenen Wert und darin eingeschlossenen Mehr-
wert.... realisieren und in neues Kapital rückverwandeln zu können, d. h. um diesen Prozeß ohne
beständig wiederkehrende Explosionen auszuführen."
(MEW 25, S. 268, 4. Abs.)

Und alles Folgende zur Profitrate und deren tendenziellen Fallen gehorcht dem gleichen Prinzip
der Überhöhung einer kapitalistischen Widersprüchlichkeit in eine absolute Schranke, an die
das Kapital bis zur endgültigen Verwertungsunfähigkeit stoßen würde - als ob nicht in den blauen Bänden gleich dazu steht, dass jede Menge entgegenwirkender Faktoren gegen den Profitratenfall
seitens des Kapitals am Werke sind!

Und regelrecht dümmlich wird es, wenn Marx die Formulierung "Aufhebung der Privatheit der
Arbeiten" als Kennzeichnung dafür, wie nicht jeder einzelne Produzent für sich hinwerkelt, sondern
als Arbeiterkollektive an großer Maschinerie dem Kapital den Geldreichtum erarbeiten, von L.
gezielt damit verwechselt wird, hier würde die Voraussetzung der Kapitalwirtschaft, "unabhängige
Privatarbeiten" zu sein, ausgehebelt. Natürlich: das Kapital hebt sich mit seiner "Privatheit" selber
auf, wenn es in seinen Fabriken Arbeiter an Maschinen und Automaten im großen Maßstab "kooperieren" läßt, um sich gegen andere Privateigentümer mit seiner Kapitalmacht durchzusetzen.


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