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Karl-Heinz Brodbeck: Die Herrschaft des Geldes, Verlag WBG, 2009 
Karl-Heinz Brodbeck, Silja Graupe: Geld! Welches Geld? Geld als Denkform,
"Kritische Studien zu Markt und Gesellschaft", Band 10
 
Die Besprechung dieser beiden Buecher beschränkt sich auf die Befassung mit dem sog. Theorem
"Geld als Denkform", das in beiden Veroeffentlichungen einen zentralen Theoriebaustein bildet.
Zusätzliche Quellenangaben:
Prof. Dr. Karl-Heinz Brodbeck – Vortragsexposé – Sommersemester 2011
Gastvortrag des Philosophischen Seminars im Rahmen von Prof. Dr. Stephan Grätzels
Seminar "Philosophie des Geldes"

http://humane-wirtschaft.de/wp-content/uploads/2008/02/christ_buch-brodbeck.pdf
             

Geld als „Denkform“ zielt auf eine alternative Erklärungsweise zu dem sein, wie es als ökonomisches „Verkehrsmittel“
die Welt regiert. „Verphilosophierung“ des Geldes liegt in der Hinsicht vor, dass als Brodbecksche Gelderklärung
daherkommt, dem allgemeinen Äquivalent warenproduzierender Gesellschaften jegliche objektive Bestimmung aus sich
heraus zu bestreiten.
Geld als „Denkform“ meint hier, dass es sich aus dem begründe, wie die „Geldsubjekte“ sich zu ihm stellen: sie rechneten
in ihm; Geld und seine Wertigkeit seien Resultat der Zuschreibungen durch die Akteure der Warenwirtschaft; Geld habe
selbst keine „Substanz“, sei sogar regelrechte „Illusion“ (bebildert damit, das es sich in „Nichts“ auflösen würde, wenn sog.
Geldblasen platzen täten); Geld gäbe es, habe Wert, weil ihm „vertraut“ würde – was den Widerspruch beinhaltet, das es
dem ihm Vertrauenden bereits vorausgesetzt sein muss, denn das von B. zitierte Paradebeispiel des Währungsverfalls anno
1923 gründet gerade auf die gesellschaftliche/staatlich verbindlich gemachte Gültigkeit der damaligen Geldmaterie als geschäft-
liches/hoheitliches Kommandomittel jenseits des Zuspruchs durch die mit ihm Wirtschaftenden: eine Wirkung nationalökono-
misch herbeigeführten Ruins einer Währung,dass die “Geldsubjekte” wertlose Geldzeichen sich zu entziehen trachteten, ver-
dreht der Brodbeck zu Ursächlichem der Geltung dessen, was als Geld kursiert.
Dass Geld an und für sich sich ideellem Zuspruchs der in und mit ihm Rechnenden verdanke, wäre der unmittelbare Unsinn
der Leugnung, wie es als gesellschaftliche/souveräne staatliche Tat um eines wirtschaftlichen Zwecks wegen in der Welt ist.
Dass ihm sowas wie Wert überhaupt erst durch die geldwirtschaftlich Involvierten zugesprochen würde, macht aus dem
schnöden Mammon eine Angelegenheit metaphysischer Hexerei: Wert als Geistesprodukt, eben getrennt von dem Geld
inhärenten politökonomischer Eigenheiten/Qualität, kraft derer es Wert schlechthin nur repräsentieren, das Monopol auf, alle
anderen Waren ausschließende Trägerschaft von Wert überhaupt erlangen kann.(Dazu nur ein kurzer Hinweis: im Geld als
dem Stoff abstrakten Reichtums drückt sich ein gesellschaftliches Verhältnis “unabhängiger Privatproduzenten”-Marx- aus,
die in Konkurrenz zueinander um ihren profitgeschwängerten Anteil an der gesellschaftlichen Zahlungskraft ringen – und das
Geld ist das Maß dieser ökonomischen Bewährung darin, wie diese sich qua privatwirtschaftlichem Treiben immer erst im
nachhinein herausstellt.)
Der B. sagt sogar sein Phantasiegebilde übers Geld frei heraus: das allgemeine Äquivalent, welche Stellung es, realitätstüchig
gesehen, nur im Verhältnis zum sonstigen Warenhaufen aufgrund einer unübersehbar objekvierbaren „Substanz“ einnehmen
kann, die die im Tausch erfolgte Gleichsetzung,  damit ökonomische Bewährung als Bestandteil zahlungsfähigen gesellschaft-
lichen Bedarfs als diese vollziehbar macht - diese Monopolware habe nach B. im krassen Widerspruch zur warenproduzieren-
den und –tauschenden Realität keine Substanz für sich, sondern Geldqualität und Werthaltigkeit würden durch Glaubensakt
verliehen.
Damit bewegt sich B. im Reich subjektivistischer, psychologistischer Geld-/Wertlehre: Mit Geld als Vertrauenssache wird jede
kapitalistische Brutalität um die Ecke gebracht, wie es als abstrakte Form des Reichtums die nach Marx zutreffende harte
Wahrheit meint, dass im Kapitalismus Reichtum getrennt und im Gegensatz zum Gebrauchscharakter desselben produziert wird,
dass mit der Inkraftsetzung des Geldes als einzig in ihm zu wirtschaftenden Mittel ein ganzes antagonistisches Produktionsverhältnis - Kapitaleigner vs. Lohnarbeiter - begründet wird, wo alle sachlichen Voraussetzungen und von ihren Existenzmitteln enteignete
Produzenten zum Material der Geldvermehrung herabgesetzt sind.
Jedes ökonomische Phänomen verkommt in dem Brodbeckschen metaphyischen Gedankenkonstukt in dieser Verwandlung zur
moralischen Etikettierung: wenn Geld Vertrauensangelegenheit sei, liege „Vertrauensmissbrauch“ vor, wenn gegen eine ihm ange-
dichtete ethische Qualität verstoßen werde: Geldvermehrung in Form von Zins ist nicht etwa Kulminationspunkt kap. Bereicherung
darüber, dass das schlichte Verfügen über Geld einen Vorabanspruch auf Abwerfen von Überschuss begründet, sondern wäre verurteilenswerte „Gier“;Wachstum ist nicht die zusammenfassende ökonomische Räson der bürgerlichen Welt,sondern “institutio-
nalisierte Gier”;Kapitalentwertung mit dem Bildnis der „Blase“,also in vollständiger Absehung von dessen wirklichen ökonomischen
Gehalt, dass abstrakter Reichtum überakkumuliert wurde, weil keiner rentierlichen Verwendung mehr zuführbar, mit dessen Ver-
nichtung auch die Absurdität der Überflüssigmachung allerlei sachlicher Produktionsvoraussetzungen wie –resultate gegen den
Bedarf an Nützlichem samt Existenzruinierung der unmittelbaren Produzenten am Werk ist, dies kommt bei B. in der Fassung sittlicher
Verfehlung vor. Brodbeck betreibt eine Sortierung in gute und schlechte Seiten der Geldwirtschaft, wobei eben der ethische Blick-
winkel auf die kap. Geldrealität einiges an dieser verfremdet: Investmentbanking sei zu geißelnde Investition in bloß „fiktive
Werte“; anerkennenswert sei dagegen, wenn Banken Spargelder einsammeln und diese für „sinnvolle“ technische Innovationen
ausreichen - als ob es Banken wie unternehmerischen Geldentleihern nicht um nichts als den Überschuss auf ver-/geliehendes
Geld geht, der das allein herrschende Kriterium dafür ist, ob die großartigen Innovationen zuwege gebracht werden.
Insofern passen solche professoralen Ergüsse prima als nationalmoralischer Überbau über die tatsächlichen Gemeinheiten der
Geldwirtschaft, die die normale abhängige Menschheit zu ertrragen hat: sich das Geld als Instrument lauter guter, sittlich begründeter
Werke zurechtlegen und darüber den unerbittlichen Fortgang der nationalen und globalen Geldgeschäftemacherei mit moralischer
Erbauung, guten Gewissen zu begleiten. - Desweiteren gefallen sich Brodbeck und andere volkswirtschaftliche Philosophen in der
Ausmalung alternativer Tauschwirtschaft, in Anlehnung an religiöse Traditionen als “Gabenwirtschaft”, “solidarische Spendenwirtschaft” vorstellig gemacht.
Siehe: Karl-Heinz Brodbeck, Silja Graupe,Geld! Welches Geld?Geld als Denkform
"Kritische Studien zu Markt und Gesellschaft" , Band 10


E r g ä n z u n g :

Dass Staaten in Angelegenheiten der Währung, also  d e m  ökonomischen Lebensmittel der Nationen, nichts dem Belieben ihrer
Insassen überlassen, schon gar nicht dem gewöhnlichen Volk, das nämlich in nichts anderem als hinsichtlich von Unterwerfungslei-
stungen, seiner Dienstbarkeit für die Mehrung des Nationalreichtums gefragt ist, kann man den historischen Vorgängen um 1923
und anderen auch entnehmen: geschichtsträchtige "Ersatzwährungen" wie die berühmten "Zigarettenwährungen" sind allenfalls
übergangsweisen Sondersituationen geschuldet: denn kaum war die alte dt. Währung u.a. kriegsschuldenbedingt auf den Index ge-
setzt, wurde die Reichsmark in einem hoheitlichen Akt des Staates aus der Taufe gehoben, also der Nation verordnet. Die mit der
sog. Währungsreform einhergehenden polit-ökonomischen Einschnitte lagen allerdings genauso auf der Hand:wenn der nationale
Kapitalismus auf  "Neustart" gesetzt wird, findet erst mal signifikante Entwertung des nationalen Vermögens/der nationalen Ressour-
cen einschließlich der mageren Sparguthaben des einfachen Volkes statt - und der Niedergang in der internationalen Konkurrenz be-
darf der neuerlichen Schmiedung der Waffen der ökonomischen Konkurrenz. - Diese Gemeinheiten, wie das Volk durch Höhen und
Tiefen der Nation hindurch stets das armselige Material des herrschaftlichen Wirtschaftens national und international ist, dies interes-
siert einen Brodbeck mitnichten bei seiner naiven Vorstellung von den Untertanen als angeblich eigentlicher geldlicher Souverän.
Heutzutage lassen die Staaten in Währungssachen erst recht nichts anbrennen: die von diesen ins Leben gerufenen global agierenden
Institutionen wie IWF oder Weltbank tragen mit viel Erpressungsgewalt dafür Sorge, dass drohende Staatsbankrotte zu Betreuungs-
fällen der Gemeinde der maßgeblichen Wirtschaftsmächte, also zu Aufsichtsfällen externer Berechnungen werden. Mit einem rigiden
finanzpolitischen Regime werden die desolate Nationalökonomie samt Staat,dessen Haushaltspolitik u. überhaupt die wirtschaftlichen
Usancen im Verhältnis Staat, Eigentümerklasse und abhängiges Volk unter die Fittiche fremder Mächte genommen und das ökono-
mische wie nationale Kommandomittel Geld in einer Weise in Kraft gehalten, dass insbesondere das niedere Volk nichts zu Lachen
hat: mittels Auflagen betreffend den Lebensunterhalt der Abhängigen,eben durchgreifende Verarmung und Verelendung,Verbilligung
des Staatsmachens, ggf. sogar Formen der äußeren Kreditierung des heruntergewirtschafteten Gemeinwesens soll ein Stück Be-
glaubigung für die seitens der imperialistischen Hauptdirigenten der Weltwirtschaft ohnehin vorab feststehende unbedingte Fortgel-
tung geldlichen Wirtschaftens in Szene gesetzt werden, also der betreffende Staat samt Volk dafür in Haft genommen werden -
auch wenn eine Erholung vom darniederliegenden wirtschaftlichen Zustand der Nation nicht absehbar ist.


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