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Helmut Kohl  
†  16.06.2017
-
ein anti-imperialistischer Nachruf auf den "Kanzler der Einheit"


Die Herrschenden ueberbieten sich mit Lobhudeleien ueber H. Kohl: "grosser Staatsmann", "grosser Europaeer" usw. Die  S a c h e ,die
Dr. Kohl waehrend seiner Regierungszeit vertreten und durchgesetzt hat, wird mit schoenen Betitelungen seines politischen Werkes einer-
seits verbraemt dargestellt - als im Allgemeinen rundum gelungene Staatswerke unterstellt, geht es bei Lobgesaengen auf verflossene
Staatsfuehrer eben jenseits des Argumentierens um das Eintauchen ihres Tuns in ein strahlendes Licht -; andererseits lugt aus der Wuer-
digung des Staatsmaennischen auch immer der imperialistische Gehalt des Regierungshandelns hervor: einerseits kenntlich auch an der
Art des Anerkennungsprocederes speziell im Fall des Kanzlers Kohl a.D., wo die besondere uebernationale Bedeutung Kohls dadurch ge-
huldigt wird, dass fuer diesen ein von den hoechsten EU-Stellen ausgerichteter, bisher noch keinem europaeischen Fuehrer zuteil geworde-
ner Staatsakt erfolgen soll; denn: wie beschoenigend auch immer wird damit die Einleitung entscheidender Schritte zum Aufmachen Europas
zu einer Weltmacht gewuerdigt -naemlich der Zusammenschluss der europaeischen Wirtschaftsgemeinschaft zur Euro-Zone,dem widerspruech-
lichen Konstrukt eines kollektiven Geldes nachwievor in Konkurrenz zueinander stehender europ. Maechte; aber immerhin:
die Implementierung des Euros als "Kristallisationspunkt" des Aufschwingens der EU zu weltwirtschaftsmaechtigen Ambitionen ist von
Deutschland unter Kohl entscheidend vorangetrieben worden.

Ach ja: und dann nicht zu vergessen die Sache mit der Einheit, wovon verlautet wird, Dr. Kohl habe die historische Stunde zur Zusammenfueh-
rung beider Deutschlands zum vereinigten(-endlich-)Grossdeutschland genutzt. Was wie genutzt? Nur das: die Selbstabdankung des feindlich-
en oestlichen Machtblocks unter damaliger Fuehrung der (Ex-)SU genutzt zur territorialen Ausdehnung des dt. Imperialismus als projektierte
Basis fuer die Hinwendung zu einem Schwergewicht in politischer und oekonomischer Hinsicht in Europa und fuer ein Deutsch-Europa mit seinen
bekannten ambitioesen Weltmachtperspektiven.


Allerdings ist es eine historische  L u e g e  , die imperial. Vergroesserung West-Deutschlands verdanke sich einem besonderen "Geschick",
einer "gluecklichen Hand" Kohls. Die Einverleibung der EX-DDR ist alles andere als das Ergebnis einer speziellen pol. Tat oder Strategie Kohls
und seiner Regierung (das "Wiedervereinigungs"-Postulat als westdt. Staatsdoktrin mag mit der darin enthaltenen Revision eines Kriegsergeb-
nisses allerlei Potential eines gewaltgeschwaengerten Aktes enthalten - die "friedliche" Uebergabe durch den Osten war bis 1989 eher politischer
Wunschtraum; die Einheit war Staatsprogrammatik, als solche politische Absichtserklaerung: der letztliche Weg dahin war erst mal offen).
Der Anschluss der ehemaligen DDR ruehrt in erster Linie her von der Selbstaufgabe des Realen Sozialismus unter Fuehrung der damaligen SU.
Der damit einhergehende Wegfall der Rueckendeckung fuer den Bestand des DDR-Staatswesens durch einen maechtigen sozialistischen
Staatenblock fiel zusammen mit Kuendigung der Loyalitaet grosser Teile des DDR-Staatsvolks gegenueber seiner Hoheit und dem Einschwen-
ken der DDR-Staatsfuehrung auf den national-besoffenen Willen des Volkes zum Ruebermachen ins BRD-Feindesland, statt auf Grundlage
der verbliebenen Machtmittel auf den Fortbestand ihres Gemeinwesens zu bestehen. Diese aeusseren Umstaende allein haben befoerdert, dass
Kohl das andere Deutschland kassieren konnte (ohne Blutvergiessen, wie es hiess, welche Betonung wohl noetig war angesichts der beinharten
Kollisionen, die da unterwegs waren) - und die Ummodelung des staatssozialistischen Systems zum Bestandteil des kapitalistischen Deutsch-
lands seinen Weg nehmen konnte.

Auf der Gedenkveranstaltung am 1.7.17 in der euro-imperialistischen Metropole wurde heftig die Ideologie vom Frieden bemueht: friedliches
europ. Einigungswerk,dem sich Dr. Kohl verschrieben habe; Euro, ausgerechnet die Einheitswaehrung der kollektiven Geschaeftemacherei
als Garant fuer friedlichen Zusammenhalt der europ. Voelkerfamilie; Ost-Expansion von NATO und EU auf friedvollen Sohlen daherkommend.
Die  L u e g e  ist die Aussparung dessen, dass hier nichts als gewaltgetraenkte imperial. Affaeren unterwegs waren/sind: EU-Europa ist ein Ver-
haeltnis der Ueber- und Unterordnung von Staaten, wo auf Grundlage vertraglich, institutionell, faktisch eingegangener Abhaengigkeiten
laufend Erpressungen und Diktate ueber den Weg des Voranbringens des Weltmachtprojekts Europa entscheiden, was nicht weniger ge-
walttraechtig ist, nur weil sich die EU-Laender wechselseitigen militaerischen Uebergriffen entsagen. - Der Euro als Gemeinschaftsgeschaefts-
mittel der EU hat einiges fuer die Freisetzung des oekonomischen Hauens und Stechens der EU-Kapitale dazugetan, die Scheidung in wirtschaft-
liche Gewinner- und Verlierernationen forciert, ueberhaupt die geldpolitische Souveraenitaet der Einzelstaaten zugunsten der bezueglichen Ober-
hoheit der EU-Zentralbank EZB eingeschraenkt; die Waffe des Kredits kommt ganz bei denen zur Entfaltung, die ohnehin den nationaloekono-
schen Erfolg auf Kosten anderer EU-Mitglieder bei sich akkumulieren. Und wer ueber die entgrenzte europ. Konkurrenz niederkonkurriert wird wie
zuletzt die Griechen, deshalb von den Finanzmaerkten der Kredit entzogen wird, kriegt ein Auflagenregime von EU-Institutionen und dessen
Hauptantreiber D. verpasst, naemlich v.a. im Wege durchgreifender Verarmung und Verelendung der nationalen Insassen sich die "Rettungs-
kredite" verdienen zu muessen, aufdass das Finanzkapital das Signal erhaelt: ueber ein solch rigides Durchgreifen, Hineinregieren in andere
Staaten wird vorgesorgt dafuer, dass der Euro hart wie Kruppstahl bleibt oder wird. -Die Osterweiterung fusste auf der ueberlegenen militaerischen
Gewalt der NATO und der oekonomischen Wucht der EU, naemlich als Unterpfand dessen, wie sich die Nachkommen der ehemaligen SU den Vor-
marsch des Westen bis in ihren Vorhof gefallen liessen - bis aktuell ein Putin eine "rote Linie" zog, der ach so friedlichen Eroberung des geopoli-
tischen Vorfeldes Russlands und anderer einstigen Ostblockstaaten eine Grenze setzte...


Eine profunde Abrechnung mit dem Nationalismus und Imperialismus deutscher Nation haben anlaesslich der
"Wiedervereinigung" schon vor fast 30 Jahren abgeliefert: Dr. P. Decker/Dr. K. Held-"DDR kaputt-Deutschland ganz", Bd. 1.
Bd.2 befasst sich mit der  Abwicklung des Anschlusses.



2017
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